Beratungsgespräch zu zweit

Deutsche Seniorenstift Gesellschaft | Pflegewohnstift Falkensee:

Wie Sprach-Mentoring Pflegefachkräfte stärkt und Teams verbindet

Eine Pflegeeinrichtung in Falkensee geht mit bea-Brandenburg neue Wege der Sprachförderung

Wenn neue internationale Mitarbeitende in ein Pflegeheim kommen, sind viele Dinge neu: die Sprache, der Arbeitsalltag, die Kultur. Sprach-Mentoring kann dabei helfen, sich schneller zurechtzufinden. Eine Einrichtung berichtet, wie sie Sprach-Mentoring nach dem Konzept der bea-Brandenburg einführte – und wie alle davon profitieren.

Sprache als Schlüssel – Für mehr Sicherheit im Pflegealltag

„Ich war am Anfang wirklich unsicher, was mit Sprach-Mentoring gemeint ist“, erinnert sich Petra Blau, stellvertretende Teamleiterin im Begleitenden Dienst. „Ich hatte vorher noch nicht davon gehört.“ Doch mit der Zeit wird daraus ein Erfolgsmodell: „Das lief dann irgendwann wie von allein.“

Frau Blau ist eine von mehreren Sprachmentorinnen im Pflegewohnstift Falkensee der Deutschen Seniorenstift Gesellschaft. Sie unterstützt als Mentorin ihre Kollegin Valeria Ramirez, eine neue Pflegefachkraft aus Mexiko, die erst seit Kurzem in Deutschland lebt und arbeitet. Gemeinsam sprechen sie über Abläufe in der Einrichtung, Fachsprache – aber auch über alltägliche Redewendungen oder kulturelle Unterschiede.

Einen Notruf absetzen und beim Arzt anrufen

Genau dafür dient ein Sprach-Mentoring: Erfahrene Kolleginnen und Kollegen helfen neuen Mitarbeitenden, sich sprachlich im Arbeitsalltag zurechtzufinden. Dabei geht es nicht um Grammatik, sondern um typische Situationen im Betrieb. „Sprach-Mentoring unterstützt die Einarbeitung und sorgt für eine bessere Kommunikation in den Teams“, erklärt Elsa Coppoletta von der bea-Brandenburg. Das Projekt bea-Brandenburg sensibilisiert Betriebe in Brandenburg für Sprach-Mentoring. Sprach-Mentoring kann in vielen Branchen ein geeignetes Mittel sein.

Im Pflegewohnstift Falkensee werden seit der Einführung des Sprach-Mentoring Programms typische Gespräche simuliert und besprochen: Wie rufe ich beim Arzt oder Bestatter an? Wie erkläre ich einer Angehörigen die Situation? Was sage ich im Notfall? „Wir haben gemeinsam geübt, wie man einen Notruf absetzt. Daraus sind dann kleine Spickzettel für den Schlüsselbund entstanden, die jetzt alle im Team nutzen.“

Zwar gibt es eine zentrale Ansprechperson des Unternehmens für internationale Mitarbeitende, doch diese ist für mehrere Einrichtungen zuständig und kann im Arbeitsalltag eher selten vor Ort sein. Die Einrichtungsleiterin sah deshalb den Bedarf einer Unterstützung vor Ort. So entstand die Idee, sich von bea-Brandenburg in einem Pilotprojekt begleiten zu lassen.

 Der Weg zum Sprach-Mentoring

Die betriebliche Begleitagentur bea-Brandenburg begleitete die Einrichtung mit verschiedenen Workshops. In einem interkulturellen Workshop mit den Führungskräften wurde das Thema Sprache als wesentlicher Erfolgsfaktor identifiziert und war der Ausgangspunkt für die Einführung eines Sprach-Mentoring Programms. Die bea-Brandenburg schulte dann auch die ausgewählten Mentorinnen und Mentoren: Diese wurden auf ihre neue Rolle vorbereitet und bekamen eine Einführung in Einfache Sprache. Anschließend wurde ein konkreter Fahrplan vereinbart – die Erprobung startete. Nach einem halben Jahr moderiert bea-Brandenburg den Austausch und hielt die Ergebnisse fest.

„Die Workshops, die Materialien, die Begleitung – das war enorm hilfreich“, betont Frau Blau. „Wir haben in den Workshops viele Ideen gesammelt, die später auch umgesetzt wurden“. Besonders geschätzt wurde, dass alles praxisnah, verständlich und mit Blick auf die Pflege angepasst war – und die Fragen der Mentees für ein besseres Verständnis auch durch einen Kollegen der bea-Brandenburg auf Spanisch beantwortet werden konnten.

Mehr Verständnis im Team

Seitdem entstehen in der Einrichtung mehr gegenseitiges Verständnis und eine höhere Akzeptanz im Team – wichtige Faktoren für ein gutes Miteinander in der Pflege.

Für die neuen Kolleginnen und Kollegen wird durch das Sprach-Mentoring eine feste Ansprechperson geschaffen, die individuelle Bedarfe erkennen und gezielt unterstützen kann: „Die Kolleginnen wissen jetzt: Ich darf fragen, ich darf um Hilfe bitten. Und die anderen hören besser zu“, erklärt Frau Blau.

Selbstvertrauen in der Kommunikation

Auch ihr Mentee, Valeria Ramirez, ist mit dem Mentoring sehr zufrieden: „Mit der Unterstützung der Mentorinnen und Mentoren konnte ich mein Hörverständnis verbessern und mehr Selbstvertrauen in der Kommunikation gewinnen.“ Sie ergänzt: „Das hilft mir dabei, meine Aufgaben bei der Arbeit jeden Tag selbstständiger und effizienter zu bewältigen und mich besser in das berufliche Umfeld zu integrieren.“

Es lohnt sich

Sprach-Mentoring braucht Engagement, Zeitfenster im Alltag und die Bereitschaft, gemeinsam zu lernen. Aber es lohnt sich: „Wir haben gesehen, wie sehr es den Kolleginnen hilft. Wir überdenken die eigene Sprache und achten mehr aufeinander. Und vor allem: Es funktioniert“.

Ein starkes Zeichen für den Erfolg: Valeria Ramirez wurde befördert. Sie arbeitet inzwischen als kommissarische stellvertretende Wohnbereichsleiterin in der Einrichtung.

Foto: Petra Blau