Mit eigenem Deutschlehrer

A bis Z Oberflächenveredelung | Zehdenick

Der gute Wille allein reicht nicht, findet Ingo Waffler. Deshalb lässt sich der Geschäftsführer eines Lackierbetriebes einiges einfallen, um Geflüchtete zu integrieren. Sein Trumpf: engagierte Ehrenamtliche.

Ingo Waffler ist kein Typ, der um den heißen Brei herumredet. „Als klar war, dass wir einen Flüchtling einstellen, war die Belegschaft skeptisch“, sagt der Geschäftsführer der „A bis Z Oberflächenveredelung GmbH“ aus Zehdenick. Mit Lackierungen, Sandstrahlarbeiten und Schiffsanstrichen kennt sich die 25-köpfige Belegschaft aus. Aber mit geflüchteten Menschen? Kulturelles Neuland.

Um keine Ressentiments aufkommen zu lassen, lud Waffler zur Betriebsversammlung. Er  betonte, dass die neuen Kolleginnen und Kollegen auch wirtschaftlich eine Bereicherung für die Firma sein können. „Brandenburg hat schon einmal viele Flüchtlinge aufgenommen“, sagt Waffler und meint die deutschen Vertriebenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Osteuropa kamen. Jetzt sei die Situation ähnlich: „Wir müssen unseren Beitrag leisten.“

In der Lackiererei heißt dieser Beitrag Fahim. Der 41-jährige Afghane trat 2018 seine Stelle als Sandstrahler an. Schon 2015 hatte er sein Land verlassen, nachdem eine Bombe vor seinem Haus in Kabul detoniert war. Der gelernte Bäcker musste in Deutschland komplett neu anfangen, zunächst mit einem Alphabetisierungs-, später mit einem Deutschkurs. Nach ersten Erfahrungen in der Gastronomie bewarb er sich als Hilfsarbeiter in dem Lackierbetrieb.

Die anfängliche Skepsis legte sich schnell. „Fahim ist super angekommen, hilfsbereit und voll dabei“, erzählt Geschäftsführer Waffler.

Und das Fachliche? „Alle, die bei uns anfangen, müssen unsere patentierten Lack- und Spritztechniken von Grund auf lernen“, erklärt Waffler. Einen markanten Unterschied gibt es aber doch: die Sprache. Mit Hilfe der bea-Brandenburg und des Arbeitgeberservices im Jobcenter Oberhavel wurde der Bedarf des Unternehmens für einen betrieblichen Sprachkurs identifiziert. Jetzt kommt drei- bis viermal pro Woche ein ehrenamtlicher Deutschlehrer in den Betrieb. „Das hilft uns enorm“, sagt Waffler. Er weiß, dass guter Wille allein nicht reicht.

Mit der Begleitung durch die bea-Brandenburg hatte der Betrieb zusätzlich noch Unterstützung bei Vertragsgesprächen und Arbeitsschutz-Unterweisungen. „Das hat uns sehr entlastet“, so Waffler.

Nach diesen positiven Erfahrungen entschied sich die Lackiererei, weitere Geflüchtete anzustellen. Nicht mit allen sei es so harmonisch gewesen wie mit Fahim, erzählt Waffler. So habe sich ein Beschäftigter beharrlich geweigert, Deutsch zu lernen. Auch habe es sehr unterschiedliche Erfahrungen mit der Zuverlässigkeit gegeben.

Dennoch, Ingo Waffler setzt weiterhin auf eine vielfältige Belegschaft. 2019 stellte er Narges ein. Die 35-jährige Iranerin hilft beim Ein- und Auspacken, klebt Teile ab und kontrolliert sie nach dem Lackieren. „Ich hatte am Anfang keine Erfahrung in dem Job“, erzählt die junge Frau. „Aber die Kollegen haben extra langsam gesprochen und mir alles erklärt.“ Ihre Stelle sieht sie als Glücksfall: „Das Asylverfahren ist schlimm genug. Wenigstes meine Arbeit ist sicher.“

Auch Fahim denkt in seiner Freizeit viel über seine private Situation nach. Seine Frau und sein Sohn sind nach wie vor in Kabul. Ob er sie nach Deutschland holen darf? Ungewiss. Immerhin, einen Fürsprecher hätte er schon: „Wenn dein Sohn in Deutschland ist, kann er bei uns eine Ausbildung machen“, versichert Ingo Waffler – für ihn eine Selbstverständlichkeit.

Fotos: © f-bb/ Anna Weise

 

 

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