„Wir wollten mehr tun“

Nudel & Co GmbH | Dallgow

In der Asyl-Unterkunft auszuhelfen war Anke Fischer und Jean Carl Demant nicht genug. Deshalb entschieden sich die beiden Geschäftsleute, einen Geflüchteten auszubilden.

In der brandenburgischen Provinz riecht es nach Italien-Urlaub. Bei „Nudel & Co“, einem Pasta-Hersteller in Dallgow, läuft die Produktion auf Hochtouren. Gefüllte Nudelrollen liegen akkurat gestapelt auf Metalltischen. Der Nudelteig wird auf Rollen gezogen, um dann zu Spaghetti oder Ravioli weiterverarbeitet zu werden und frische Kräuter warten darauf zu Pesto verarbeitet zu werden.

In der Mitte des Raumes wiegt ein junger Mann Mehl ab. Er heißt Ekun, ist 27 Jahre alt und komplett in Weiß gekleidet – eine Schutzmaßnahme, denn in der Lebensmittel-Verarbeitung hat Hygiene oberste Priorität. „Ich mache Teig, produziere Nudeln und bediene die Maschinen“, sagt der junge Mann auf Deutsch. „Und hinterher räume ich auf.“

Ekun kam 2017 als Asylbewerber nach Deutschland. In seiner Heimat hat Ekun Agrarwissenschaft studiert, musste jedoch sein Land aus politischen Gründen verlassen. Seit September 2018 lässt er sich bei „Nudel & Co“ nun zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik ausbilden. Zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen sorgt er dafür, dass pro Woche 500 Kilo Nudeln den Betrieb verlassen, um auf Wochenmärkten in Potsdam und Berlin verkauft zu werden.

Ein „Exot“ ist der dunkelhäutige Mann in dem Kleinbetrieb nicht. „Wir sind eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensentwürfen. Gegenseitiger Respekt und Akzeptanz sind für uns Voraussetzung für ein gutes Miteinander.“, sagt Geschäftsführerin Anke Fischer. Sie hatte kurze Zeit in einer Berliner Asylbewerber-Unterkunft ausgeholfen: Essen ausgeben, Wäsche sortieren, Trost spenden. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass das nicht reicht“, sagt sie. „Wir wollten mehr tun.“

Zusammen mit Jean Carl Demant, dem zweiten Inhaber, bemühte sich Anke Fischer um einen Azubi mit Migrations- oder Fluchthintergrund. Leichter gesagt als getan, wie sich herausstellte. „Wir hatten mit der Bürokratie zu kämpfen“, drückt es Jean Carl Demant diplomatisch aus. Schließlich gingen aber gleich mehrere Bewerbungen von Geflüchteten ein, darunter die von Ekun. „Bei ihm hat es einfach gepasst“, sagt Jean Carl Demant.

Der Kontakt zum Betrieb und später zu Ekun kam über eine Informationsveranstaltung zustande. Die Geschäftsleute Anke Fischer und Jean-Carl Demant lernten dort auch Berater*innen von bea-Brandenburg kennen, die Betriebe bei der Integration Geflüchteter begleiten. Seitdem unterstützt das Team den Betrieb bei allen Fragen der Fachkräftesicherung im Kontext der Integration von Geflüchteten und informiert zu Möglichkeiten der Förderung für Arbeitgeber wie Azubi. Um Ekun den betrieblichen Einstieg zu erleichtern, waren einfache praktikable Lösungen für den Spracherwerb am Arbeitsplatz gefragt und dank Unterstützung der bea-Berater*innen auch unkompliziert im Betrieb umgesetzt.

Die größte Herausforderung für den jungen Mitarbeiter ist es, Deutsch zu lernen und eine Wohnung zu finden. „Im Wohnheim war es immer so laut“, erzählt Ekun, der mithilfe seines Chefs inzwischen eine eigene Bleibe gefunden hat. Neben seinem Deutsch-Kurs macht er zurzeit den Führerschein – ein großer Schritt Richtung Unabhängigkeit, denn gerade in den ländlichen Regionen Brandenburgs fährt der Bus mancherorts manchmal nur einmal pro Stunde.

Auch zwischenmenschlich läuft es für Ekun gut. Seine Kolleg*innen in der Produktion haben ihm allerlei Sprüche beigebracht: „Alles gut“, sagt er nun öfters. Oder: „Klappe zu, Affe tot.“ Geschäftsführer Demant freut sich über die Entwicklung seines Schützlings und unterstützt auch seine soziale Einbindung, hat ihn sogar schon zur Familie nach Süddeutschland eingeladen. „Land und Leute kennen lernen - auch das ist wichtig.“

Bleibt nur noch eine Herausforderung: einen weiteren Azubi zu finden. „Wir suchen schon händeringend“, sagt Jean Carl Demant. „Noch haben wir niemanden – aber wir sind offen für eine vielfältige Belegschaft, das ist ein Vorteil im Wettbewerb.“

Fotos: © f-bb/ Anna Weise

 

 

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