Frauen als Vorgesetzte? Kein Problem.

Feurer Group | Schwarzheide

Am Standort Schwarzheide hat das Verpackungsunternehmen Feurer zehn Geflüchtete eingestellt. Um Vorurteile zu entkräften, bildet die Firma ihre Belegschaft in interkulturellen Workshops weiter.

Achim Ungerer kann sich noch gut an sein Schlüsselerlebnis erinnern. „Unsere neuen Kolleginnen und Kollegen hatten noch nie etwas von einer Haftpflicht-Versicherung gehört“, berichtet der Werksleiter. „Da wurde mir das erste Mal klar, wie unterschiedlich unsere Lebenswelten eigentlich sind.“

Die eine Welt: die Feurer Group GmbH, ein moderner Verpackungshersteller mit 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an vier verschiedenen Standorten in Deutschland. Ein Unternehmen, das weltweit aktiv ist. Die andere Welt: zehn Geflüchtete, die aus Afghanistan, dem Iran und dem Irak kommen und seit 2017 in Schwarzheide tätig sind – Menschen, die zuvor noch nie einen Mietvertrag in Deutschland unterschrieben oder eine Versicherung abgeschlossen hatten.

Als Leiter des Werkes in Schwarzheide hatte Achim Ungerer die Geflüchteten vor allem deshalb eingestellt, um den Arbeitskräftemangel zu kompensieren. „Wenn Sie Stellenanzeigen schalten, meldet sich niemand mehr“, sagt Werksleiter Ungerer. „Da erschien es uns logisch, aus einem neuen Pool zu schöpfen.“ Doch er merkte schnell, dass seine neuen Angestellten mehr benötigen als einen Arbeitsvertrag. „Am Anfang sind wir da ziemlich hemdsärmelig rangegangen“, räumt Achim Ungerer ein.

Im Werk in Schwarzheide werden die Grundformen für Sonnenblenden hergestellt. Die neu eingestellten Hilfsarbeiter bedienen Maschinen, verladen und entnehmen Teile und prüfen sie auf einwandfreie Qualität – eine mit Anleitung leicht zu erlernende Tätigkeit.

Die neuen Kollegen waren mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert: Deutsch lernen, Fachbegriffe verstehen, Kriegstraumata verarbeiten. Achim Ungerer will helfen: Fürs Fachliche organisiert er über die bea-Brandenburg eine Sprach- und Kulturmittlung u.a. für die Arbeitssicherheitsunterweisungen in den Muttersprachen der Geflüchteten. Fürs Private holt er die Verbraucherzentrale in den Betrieb, um über Alltagsdinge zu informieren: Wie schließe ich in Deutschland einen Vertrag? Welche Rechte habe ich? An wen kann ich mich bei Streitigkeiten wenden?

Auch im Werk selbst will Achim Ungerer die Verständigung fördern. Für alte und neue Beschäftigte bietet er einen interkulturellen Workshop über die bea-Brandenburg an. Wenn etwa ein afghanischer Kollege eine Anweisung nicht verstanden habe, tue dieser sich schwer damit das zu äußern, um, -aus seiner Sicht - den Vorgesetzten nicht in eine unangenehme Lage zu bringen. „Es geht darum, bestimmte Verhaltensweisen richtig einzuordnen“, sagt der Werkleiter. „Dann können wir alle voneinander lernen.“

Das Engagement zahlt sich offenbar aus. Laut Werksleiter Ungerer haben sich die neuen Kolleginnen und Kollegen gut in der Firma integriert. Pünktlichkeit? Tadellos. Frauen als Vorgesetzte? Kein Problem. Anderen Unternehmen rät Achim Ungerer, sich frühzeitig mit der Thematik zu beschäftigen und sich genau zu überlegen, für welche Tätigkeit man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suche. „...bea-Brandenburg hat uns bei der Vermittlung sehr geholfen“, sagt Achim Ungerer. „Sie haben Erfahrungen aus der Beratung zahlreicher Betriebe und können diese und mögliche Hilfestellungen unkompliziert weitergeben.“

Fotos: © f-bb/ Anna Weise

 

 

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