Praktikum

Welche Möglichkeiten existieren für Unternehmerinnen und Unternehmer im Bereich Praktikum, um Geflüchtete in den Betrieb einzuarbeiten.

Informationen zu allgemein gültigen Praktika

Das Kennen- und An-lernen von Geflüchteten im Betrieb durch ein Praktikum ist über mehrere Wege möglich.

Grundsätzlich gelten bei anerkannten Geflüchteten dieselben Regeln wie bei anderen in Deutschland lebenden Menschen. Bei Asylbewerber/-innen und Geduldeten gibt es hier teils die Auflage eine Erlaubnis bei der zuständigen Ausländerbehörde einzuholen.

Demnach sind die allgemein gültigen Formen des Praktikums in Deutschland anwendbar:

  • Schülerbetriebspraktikum
  • Schnupperpraktikum
  • Schiffspraktikum
  • Vorpraktikum/Fachpraktikum
  • Praxissemester
  • Studienbegleitendes Praktikum
  • Anerkennungspraktikum
  • Trainee

Mehr Informationen zu diesen Praktika befinden sich auf der Seite der Agentur für Arbeit.

Auf der interaktiven Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales können sie herausfinden, ob der Mindestlohn für ein bestimmtes Praktikum veranschlagt wird.

Arbeitserprobung von Geflüchteten durch Praktika

Menschen, die bisher noch keine Möglichkeit gefunden haben auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, stehen weitere Maßnahmen bereit, die eine Integration in den Arbeitsalltag zulassen.

Dazu zählen:

  1. Einstiegsqualifizierung (EQ) und Einstiegsqualifizierung Plus (EQ+)
  2. Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung bei einem Arbeitgeber

Weitere für den Berufseinstieg adäquate Praktikumsformen sind:

  1. Hospitation
  2. Orientierungspraktikum

Darüber hinaus haben Geflüchtete in folgenden Maßnahmen die Möglichkeit Praxisphasen in den Betrieben wahrzunehmen. In diesen besteht ein Anknüpfungspunkt für Betriebe Geflüchtete bei der Arbeit kennenzulernen.

  1. Perspektive für Flüchtlinge (PerF)
  2. Perspektive für junge Flüchtlinge (PerjuF)
  3. Berufsorientierung für Flüchtlinge (BOF)
  4. ESF-BAMF Sprachkurse
  5. IQ Brückenmaßnahmen für Akademiker/-innen
  6. Programme der Oberstufenzentren BFGS Plus

Wenn Sie Praktikumsstellen in ihrem Betrieb haben, können sie sich gerne an die bea-Berater/-innen wenden, die mit den Trägern der oben genannten Maßnahmen in Kontakt stehen.

Praktika für Geflüchtete im Detail

Einstiegsqualifizierung (EQ)

Jugendliche, die bis zum 30. September eines Jahres über keinen Ausbildungsplatz verfügen oder bei denen Vermittlungshemmnisse vorliegen, können durch eine 6-12 monatige Einstiegsqualifizierung (EQ) auf die Ausbildung im kommenden Jahr vorbereitet werden. Nach erfolgreicher Teilnahme kann die anschließende Ausbildung um bis zu 6 Monate verkürzt werden. Für junge Geflüchtete, deren Deutschkenntnisse oder fachliche Voraussetzungen oftmals noch nicht für eine Ausbildung im Betrieb und die Anforderungen der Berufsschule ausreichen, kann eine EQ ein nützliches Instrument zur Vorbereitung auf eine Ausbildung sein. Für Unternehmen ermöglicht eine EQ die nachhaltige Entwicklung und Bindung eines  motivierten Mitarbeiters, der noch nicht für eine Ausbildung infrage kommt. Außerdem ermöglicht dieses Langzeitpraktikum eine tiefgehende Einschätzung über die Kompetenzen des Mitarbeiters.

 

Eine EQ muss bei der Agentur für Arbeit bzw. dem Jobcenter beantragt werden, wenn die Bereitschaft des Betriebes zur anschließenden Ausbildung des Geflüchteten besteht. Nur Ausbildungsbetriebe können eine EQ durchführen. Es besteht jedoch keine Verpflichtung, den Praktikanten nach abgeschlossener EQ tatsächlich zu übernehmen. Die Höhe der Praktikumsvergütung ist freigestellt, der Mindestlohn muss nicht gezahlt werden. Der Arbeitgeber erhält auf Antrag von denselben Stellen einen Zuschuss zur Praktikumsvergütung von bis zu 231 Euro monatlich sowie einen Zuschuss zum Sozialversicherungsbeitrag von monatlich 116 Euro. Die zuständige Kammer zertifiziert die erfolgreiche Durchführung der EQ.

Mit „EQ-Plus“ besteht auch für junge Geflüchtete die Möglichkeit, eine EQ mit ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) zu kombinieren, um noch bedarfsgerechter auf eine Ausbildung vorzubereiten. Diese Kombination muss bei der Agentur für Arbeit bzw. dem Jobcenter beantragt werden.

Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung bei einem Arbeitgeber (MAG)

Eine „MAG“ dient der Feststellung der beruflichen Eignung des Arbeitssuchenden und der Erweiterung vorhandener beruflicher Kenntnisse. Sie zielt darauf ab, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auszuüben, kann aber auch der Vorbereitung auf eine Ausbildung dienen. Grundlage der „MAG“ ist eine Vereinbarung zwischen dem Geflüchteten und der Agentur für Arbeit bzw. dem zuständigen Jobcenter. Diese können sich an den Kosten beteiligen, die dem Praktikanten durch die Teilnahme an der Maßnahme entstehen, beteiligen (z.B. Zuschuss zu Fahrt- oder Kinderbetreuungskosten). Eine Zustimmung der Ausländerbehörde ist nicht notwendig. Der Betrieb, bei dem die „MAG“ durchgeführt wird, muss keine Praktikumsvergütung zahlen. Die Dauer des Praktikums kann bis zu 6 Wochen betragen, bei Jugendlichen Geflüchteten unter 25 Jahren mit besonderen Vermittlungshemmnissen kann eine Dauer von bis zu 12 Wochen  vereinbart werden.

Hospitation

Eine Hospitation ermöglicht ein niedrigschwelliges Kennenlernen des Betriebs und der Arbeitsabläufe. Jedoch lernt der Hospitant den Betrieb nur als „Gast“ kennen. Es findet keine Eingliederung in die Arbeitsabläufe statt und der Hospitant darf nicht mitarbeiten, sondern lediglich zusehen. Eine Hospitation gilt nicht als Beschäftigung und eine Zustimmung der Ausländerbehörde oder der Agentur für Arbeit ist nicht nötig. Eine Hospitation wird nicht vergütet und die Dauer ist nicht festgelegt.

Orientierungspraktikum

Geflüchtete, die eine Ausbildung oder ein Studium in einem Unternehmen anstreben, können dort ein Praktikum zur Berufsorientierung von bis zu drei Monaten Dauer aufnehmen. Die Inhalte des Praktikums müssen einen Bezug zu der Ausbildung bzw. dem Studium aufweisen. Eine Übernahme in Ausbildung oder Studium ist jedoch nicht zwingend. Das Praktikum unterliegt nicht dem Mindestlohn und eine Zustimmung der Agentur für Arbeit ist nicht nötig. Jedoch muss die Ausländerbehörde dem Praktikum zustimmen. Überschreitet die Praktikumsdauer drei Monate, muss jedoch der Mindestlohn gezahlt werden und die Zustimmung der Agentur für Arbeit ist notwendig.